1. Mai Tag der Arbeit, Zeit sich Gedanken zu machen und Veränderungsschritte anzugehen

Harte Arbeit, kaum Rechte und wenig Lohn führten seit Einführung der Industrialisierung auch in Deutschland zu immer stärker werdenden Protesten. Die Menschen organisierten sich und legten die Arbeit nieder, um gegen unwürdige Arbeitsverhältnisse zu protestieren.

Im Andenken an die gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Arbeitern und Polizei aus den Anfangszeiten der Arbeiterbewegungen wurde erstmals der 1.Mai 1890 als Gedenktag der Arbeiterprotestbewegung gefeiert.

Das Frauen- und Familienbild und die Rolle der Frau hat sich seitdem immer wieder einmal verändert und es scheint konsequent, dass der Tag der Arbeit dafür herhalten muss, auf die Unterschiede zwischen bezahlter und unbezahlter Arbeit aufmerksam zu machen und darüber hinaus auch den Blick auf die sichtbare und unsichtbare Arbeit zu richten und zu überlegen, wie diese zwischen den Geschlechtern geteilt werden kann. Bisher ist die Arbeitsteilung im Privathaushalt nach wie vor sehr ungleich zwischen den Familienmitgliedern verteilt, wenn den Statistiken geglaubt werden darf. „Wer mehr im Haushalt arbeitet, investiert weniger in Bildung und Karriere“, machte Silke Anger bereits 2009 deutlich. Frauen leisten für Kinder, Haushalt, Pflege und Ehrenamt täglich 52 Prozent mehr an unbezahlter Arbeit als Männer und es scheint schlüssig, dass der Tag der Arbeit umfunktioniert wird in einen „Tag der unbezahlten Haus- und Sorgearbeit“ wie manchmal gefordert.

Einen Blick wollen wir auf die Möglichkeiten der technischen Haushaltserleichterungen, auf die Digitalisierung und die derzeitigen Homeoffice-Situationen richten. Was nach einer Möglichkeit aussieht, Erwerbs- und Familienleben in Einklang zu bringen, kann auch zu einer Verschiebung der notwendigen Abgrenzung führen. Frauen kennen den Spagat mit dem kleinen Kind auf dem Schoß am PC zu arbeiten oder zu telefonieren und gleichzeitig einen Tisch abzuwischen oder zu spülen. Bei Männern führt die praktizierte Verfügbarkeit über Räume und Zeiten hinaus oft zu unbezahlter Mehrarbeit. Netzwerken mit den Kollegen nach Feierabend oder in der Pause, eher Freizeit- oder Arbeitsaktivität? Wie oft hören wir bei unseren Erstgesprächen, dass mit dem Mann im Haus unter der Woche nicht zu rechnen ist, denn auch die Fahrzeiten zum Arbeitsort schlagen hier zu Buche, die Mann als unbezahlte Arbeit auf seinem Konto verbuchen muss.

Was folgt daraus? Frauen versuchen, die beruflichen Mehrarbeiten ihrer Männer dadurch aufzufangen, dass sie sich noch ein wenig mehr in der Haus- und Sorgearbeit engagieren.

Um Erwerbstätigkeit und Sorgearbeit besser vereinbar zu machen, sollte die Realität der Frauen stärker in den Fokus rücken. Wie können neue Formen des Arbeitens und Lebens aussehen? Was muss sich verändern, damit alle zu ihrem Recht kommen? Mehr Vereinbarkeit durch flexible Arbeitszeitmodelle bedeutet, sich mit den Familienpartnern auseinanderzusetzen, um gangbare Wege zu finden und zu definieren, was jeder erwartet und wünscht.

Wie wäre es, wenn Sie den kommenden ersten Mai mit Ihren Lieben nutzen, um sich gemeinschaftlich Gedanken darüber zu machen, wie Sie zukünftig das gemeinsame Arbeits- und Familienleben organisieren wollen und können, damit auch scheinbare technische Arbeitsentlastungen nicht doch zu einer Mehrbelastung der einzelnen Familienmitglieder werden