Arbeitszeugnis

Das Thema Arbeitszeugnis ist bei uns in der Begleitung des Bewerbungsprozess mitunter ein herausforderndes und emotionales Thema. Wir werden dann gebeten, Zeugnisentwürfe gegenzulesen oder ein früheres Zeugnis zu analysieren. Schließlich hat es einen hohen Stellenwert und dokumentiert neben Dauer, ausgefüllter Rolle mit den übertragenen Tätigkeiten in vielen Fällen auch die Bewertung der geleisteten Arbeit.

Drei unterschiedliche Arten von Arbeitszeugnis sind zu unterscheiden. Da gibt es einmal ein einfaches Arbeitszeugnis, ein Zwischenzeugnis oder ein qualifiziertes Arbeitszeugnis. Der große Unterschied liegt beim Inhalt und dem Zeitpunkt der Ausstellung.

Ein gutes bzw. sehr gutes Arbeitszeugnis bringt sicher an der einen oder anderen Stelle Vorteile gegenüber Mitbewerbern. Doch was ist ein gutes Arbeitszeugnis und habe ich einen Anspruch darauf, am Ende meiner Tätigkeit oder in einem Zwischenzeugnis bewertet zu werden?

Nach § 630 BGB hat jeder Arbeitnehmende bei Beendigung des Arbeitsverhältnisses einen Anspruch auf ein Zeugnis. In jedem Fall muss ein einfaches Zeugnis über das Dienstverhältnis und die Dauer ausgestellt werden. Auf Verlangen sind auch Leistungen und die Führung im Dienst mit aufzunehmen. Während das Beschäftigungsverhältnis besteht, kann der Mitarbeitende ein Zwischenzeugnis beantragen, zwingend folgen muss der Arbeitgeber diesem Antrag allerdings nicht. Das Zeugnis sollte spätestens sechs Wochen nach Beendigung der Arbeit ausgestellt sein.

Arbeitnehmende haben einen Anspruch auf ein individuelles Zeugnis, nicht auf ein Vorlagen- Zeugnis. Es muss schriftlich verfasst und von Personalverantwortlichen/Geschäftsführung unterschrieben sein. Neben Art und Dauer des Beschäftigungsverhältnisses sollte das qualifizierte Arbeitszeugnis eine Bewertung zur Leistung und zum Sozialverhalten abgeben. Die so genannte Schlussformel ist nicht immer üblich, also Hinweise zum Grund der Beendigung des Arbeitsverhältnisses, Dank, Bedauern über das Ausscheiden oder gute Wünsche für die Zukunft. Lesbar bleibt es bei einer maximalen Länge von zwei/drei Seiten.

Ja und dann gibt es noch die Codierungen, die wie Zeugnisnoten auf Bewertungen und Einschätzungen hinweisen. Note 1 wäre z.B. jederzeit, immer, stets zur vollsten Zufriedenheit. Zur vollen Zufriedenheit wäre danach nur noch Note 3. Ein Arbeitszeugnis muss mindestens zufriedenstellend sein, der Arbeitnehmer trägt die Beweislast, dass er besser gewesen ist, wenn er mit dieser Beurteilung nicht einverstanden ist.

Was gar nicht drinstehen darf, sind Aussagen zu Krankheiten oder andere sensible persönliche Situationen, auch Nebentätigkeiten oder die Gewerkschaftszugehörigkeit gehören nicht hierher. Auch der Trennungsgrund darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Arbeitnehmers angegeben werden. Gewünschte Korrekturen sollten zunächst mit dem Arbeitgeber besprochen werden. Alternativvorschläge zu den beanstandeten Passagen erleichtert sicher den Dialog an dieser Stelle. Denn die wenigsten Arbeitgeber wollen ihren ausscheidenden Arbeitnehmern etwas Böses.

Das Arbeitszeugnis gilt nach wie vor als Referenz und ist bei Personalern geschätzt. Schließlich lesen sie darin und heraus, wie jemand tickt und welches Feedback die Bewerbungskandidaten bekommen haben, lassen die Wertschätzung des alten Arbeitgebers auf sich wirken. Das ebenfalls die Angaben im Lebenslauf hinsichtlich Tätigkeit und Dauer bestätigt werden, ist dabei ein guter Nebeneffekt.

Gut ist es sicher, wenn von den vorwiegenden bzw. wichtigsten Arbeitgebern ein Zeugnis vorliegt und die Bewerberin der Neugier des neuen Arbeitgebers Genüge leistet und ihm eine Entscheidungsvorlage liefert. Und wenn ein altes Zeugnis dann doch einmal nicht so hundertprozentig ist, wie gewünscht, dann hat die Zeit vielleicht viel Entwicklungspotenzial frei- und umgesetzt und Sie haben Gesprächsstoff im Vorstellungsgespräch.