Ersetzt digitale Kommunikation den persönlichen sozialen Austausch?

Wir denken eher nicht, haben aber im Moment gar keine andere Wahl, weder im beruflichen Kontext, noch im familiären und/oder freundschaftlichen Zusammenleben. Bisher greifen wir zum Telefon, schreiben seltener einen Brief, wenn wir unsere Lieben an einem anderen Ort grüßen wollen.

Große Distanzen werden kleiner, wenn wir uns bei Skype das Neuste nicht nur verbal, sondern per Bildübertragung erzählen. Chatdienste von allen großen Anbietern wie Google, Apple oder Microsoft erzeugen eine gewisse Nähe.

Viele Messenger-Dienste haben mit dem Smartphone ihren Weg in unseren Alltag gefunden, das schon vor Coronazeiten. Einfache Nutzung, wenige Zugriffe oder Veränderungen der Dienste auf unsere hinterlegten Daten auf Smartphone, Tablet und PC beeinflussten die Auswahl, das Alter des Nutzers kann ebenfalls ein Entscheidungskriterium sein. Jetzt suchen auch diejenigen Alternativen, die diese Dienste bisher nur eingeschränkt genutzt haben oder ihren Kindern eine Alternative zum Kommunizieren suchen und vor der Wahl stehen, WhatsApp, Facebook Messenger, Telegram, Signal, Threema, Kik oder Hoccer Messenger zu nutzen und sich entscheiden müssen, welche Sicherheitskriterien im Vordergrund stehen, z. B. Anwender in Deutschland mit entsprechenden Clouds, anonymisierte Zugriffe möglich oder nicht. Oft gibt es an der Stelle keine Wahl, weil die gewünschte Gruppe den Dienst schon festgelegt hat oder er im Schulungssystem vorgegeben ist. Neben den offensichtlichen Vorteilen wird die Handhabung des Datenschutzes zunehmend kritischer gesehen, schließlich wollen wir nicht, dass Fremde u.a.  Zugriff auf unsere Kontaktdaten oder Bilder bekommen und mit verstärkter Nutzung gibt es die entsprechenden Hinweise zum Schutz nicht nur von den Verbraucherschützern, sondern auch von Testinstituten und anderen.

Wenn wir unseren Kindern einen Gruß aus dem Kindergarten erlauben, uns mit anderen Eltern oder die Kinder sich untereinander absprechen wollen, kommen wir- immer vorausgesetzt, die technische Ausstattung ist vorhanden, gar nicht an einer entsprechenden Auswahl vorbei. Nun könnten wir natürlich die Auffassung vertreten, na ja, was wird schon gesprochen im privaten Kontext. Aber eigentlich gehört die Frage anders gestellt. Muss alles irgendwo auf der Welt gespeichert oder weitergegeben werden? Muss ich Zugriffe auf meine Daten zulassen, nur weil ich mich unterhalten möchte oder gemeinschaftlich etwas erarbeite?

Auch Bewerbungsgespräche über Skype oder andere Dienste sind nicht unproblematisch, auch wenn sie Zeit und Geld für Unternehmen und Bewerber sparen. Verletzungen der Privatsphäre, Transparenz zur Verwendung der Videos, deren Aufzeichnung und Speicherung und die umfassenden Regelungen zum Datenschutz stehen bei allen Videokonferenzen, die nun auch von Unternehmen intern bei der Absprache der Mitarbeiter untereinander oder mit Kunden genutzt werden, im Vordergrund. Neben den reinen Chat- und Konferenzfunktionen haben die Anbieter Kollaborationsdienste im Angebot, damit Mitarbeiter, Schüler, alle, die zusammen an Aufgaben arbeiten, dieses tun können. Einige dieser Anbieter wie z.B. Microsoft Teams, Zoom, Skype, Go to Meeting, Jitsi Meet,  Cisco Webex Meetings oder Big Blue Button bieten ihre Chat- und Videokonferenzangebote und Kollaborationsdienste unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos an, um der gewachsenen Nachfrage auf Grund der Coronazeiten nachzukommen. Es verwundert nicht, dass mit zusätzlicher Öffnung und Nutzung die Datenschützer noch einmal genauer hinschauen und analysieren, auf welche Pfade wir uns begeben und was zu tun ist, damit diese so sicher als möglich sind oder werden. Den Datenschützern sind Open source (quelloffene) Programme lieber als andere, weil die Funktionsweise von Fachleuten jederzeit überprüft werden kann, wenn Sicherheit und Privatsphäre einen hohen Stellenwert besitzen.

Was das für uns bedeutet? D‘rum prüfe, wer sich ewig bindet! Wir freuen uns auf die Zeiten der Tür-und-Angel-Gespräche im Kindergarten, den Ratsch über den Gartenzaun hinweg, das Flurgespräch mit den Kollegen und die vielen spontanen Möglichkeiten, die sich sonst noch ergeben können, wenn es wieder soweit ist!