Familienfreundlichkeit

Ich habe mich entschieden. Ich steige wieder ein am Arbeitsmarkt. Ich habe Familie, ich habe mich verändert. Ich suche einen familienfreundlichen Arbeitgeber.

Die Bedürfnisse und Belange von Familien sind nicht ausschließlich Thema bei Kommunen und Gemeinden, sondern bestimmen auch das Vorgehen von Unternehmen bei der Suche und beim Halten von Arbeitskräften. Warum das so ist? Gerade Frauen entscheiden sich nicht mehr zwischen Familie und Beruf, sondern betonen das „Und“ dazwischen. Sie wollen, müssen und können ihre Vielfältigkeit leben. Familienfreundliche Arbeitsbedingungen sind an dieser Stelle ein Muss nicht nur für die Frau, sondern auch für das Unternehmen, will dieses qualifizierte Mitarbeitende halten oder gewinnen.

Familienfreundlichkeit lohnt sich, haben Untersuchungen festgestellt und ist unabdingbar für die Attraktivität eines Unternehmens. Fachkräftesicherung geht nur mit Familienfreundlichkeit und trotzdem haben Mittelständler hier einen Nachholbedarf. Die Zeit formuliert an dieser Stelle: da geht noch mehr!

Was bedeutet Familienfreundlichkeit im Einzelnen? Dazu gehört alles, was ihr entgegenkommt und sie fördert, definiert der Duden.

Es würde helfen, wenn Personalpolitik aufnimmt, dass verschiedene Lebensphasen, unterschiedliche Maßnahmen bedürfen. Den zukünftigen Arbeitszeitmodellen sind für jede Phase wissenschaftliche Untersuchungen gewidmet und beleuchten Vor- und Nachteile. Die Arbeitsorganisation ist mindestens genauso wichtig. Absprachen im Team, strukturierte Aufgaben, einplanen von Meetings. Jeder kennt seine Aufgaben und weiß, von wem er vertreten wird im Abwesenheitsfall, übergibt ein To do und eine Dokumentation, aus der hervorgeht, an welchen Themen gerade gearbeitet wird. Das Thema der Arbeitskonkurrenz klammern wir hier einmal aus. Die Öffnungszeiten von Kitas berücksichtigen und die Teilzeitkräfte mitnehmen. Einfach und effektiv, wenn sich alle daran halten.

Ein familienfreundliches Arbeitsumfeld ermöglicht die Entkopplung von Arbeitsort und Arbeitstätigkeit, so oft und immer dann, wenn es notwendig ist. Die Digitalisierung hat hier viel in Gang gesetzt und den Nachweis, dass es vielfach funktioniert, haben wir durch den immer noch laufenden Feldversuch Pandemie Covid 19 nachgewiesen. Nervenaufreibende An- und Abfahrtswege gespart, Motivation erhalten. Die Präsenzkultur in Unternehmen ist stark ausgeprägt, dann sollte auch auf die Einhaltung der vereinbarten Arbeitszeiten Wert gelegt werden.

Wenn ein Eltern-Kind-Büro für Notfälle nicht möglich ist, dann vielleicht doch das Homeoffice? Wenn sich die eigene Betreuungseinrichtung als Großtagespflege nicht rechnet, dann Unterstützung durch Zuschüsse, Unterstützung bei der Suche einer Einrichtung, Organisation der Ferienbetreuung? Das die Betreuungsunterstützung sich nicht nur auf Kinder bezieht, sondern auch pflegebedürftige Mitglieder der Familie in den Fokus nimmt, sei hier nur am Rande angemerkt und rückt den Familienbegriff noch einmal in ein anderes Licht.

Individuelle Lösungsfindungen setzen eine funktionierende Kommunikation mit Vorgesetzten und Personalbüro voraus. Selbstverständlich auch zu den Mitarbeitenden, die gelegentlich Mehrarbeit durch Vertretung auffangen müssen.

Als Bewerberin entbindet mich die Familienfreundlichkeit des Unternehmens nicht, mir Gedanken darüber zu machen, wie ich meine „Unternehmerfreundlichkeit“ handhaben will, denn nur die Win-Win-Situation zwischen Unternehmen und Bewerberin wird letztendlich zum Erfolg führen.

Vielleicht ist an dieser Stelle auch interessant, ob Sie in einer familienfreundlichen Kommune leben, die Studie dazu wurde gerade veröffentlicht.