Gute Mädchen kommen in den Himmel und böse überall hin!

In ihrem Buch befasst sich Ute Ehrhardt mit dem Rollenbild von Frauen, dem Bravsein und der Angepasstheit von ihnen. Sie fordert sie auf, sich für das eigene Tun, die eigenen Rechte und Wünsche einzusetzen, sich eindeutig zu positionieren und den Mund aufzumachen und zu handeln, wenn es notwendig ist. Das stärkt das Selbstbewusstsein und macht notwendig, auch einmal Nein zu sagen, auch dann wenn die Umgebung sich im besten Fall irritiert zeigt.

In einem Coaching-Gespräch kamen wir auf diesen Spruch. Warum? Nun, die Teilnehmende, getrennt vom Mann und damit alleinerziehend geworden, hatte sich in Corona-Zeiten zum Ziel gesetzt, bis zum neuen Schuljahresbeginn eine Teilzeitarbeitsstelle gefunden zu haben und das nach fast 18 Jahren Abstinenz vom Arbeitsmarkt.

Nicht, dass Sie denken, sie hat in der Familienphase nichts getan! Sie hat dem Gatten den Rücken freigehalten, die Aktivitäten und Fahrten vom Kind in ihrer ländlichen Gemeinde organisiert und alles getan, was dazu gehört, das Familienleben auf dem Land angenehm zu gestalten. Und sie hat zum Ende hin ein Studium erfolgreich absolviert. Die Notwendigkeit eher aktiv zu werden als gedacht, machte sie nicht kopflos, sondern ließ sie  einen Wiedereinstiegsplan erstellen. In uns fand sie den Gesprächspartner, um für sich zu klären, setze ich an meinem Studium ohne gravierende Berufserfahrung oder am erlernten und immer gerne ausgeübten Beruf an. Wie vermittle ich einem Arbeitgeber, dass ich studiert habe, aber nicht dort anknüpfen, sondern am alten Beruf ansetzen will? Denkfallen, Stereotypen und Rollen werden hinterfragt und aufgelöst. Die Aber, bewusst und unbewusst ausgesprochen in Aktivitäten umgewandelt. Was will ich ändern, was will ich aufgeben, was will ich beibehalten und was will ich gewinnen? Auch diese Hürde haben wir gemeinschaftlich genommen und schon bald konnten die ersten Bewerbungen geschrieben und versendet werden.

Einige Vorstellungsgespräche via Skype und Probearbeiten weiter, kam es wie es kommen musste, ein Arbeitsplatzangebot flatterte auf den Tisch und es war nicht das der präferierten Arbeitsstelle. Zusagen, abwarten auf ein Angebot, das womöglich nicht gemacht wird? Wie kann ich dem einen Arbeitgeber vermitteln, dass ich noch nicht unterschreiben will und den anderen animieren, sich schneller für oder gegen mich zu entscheiden? Auch wenn ich einen Arbeitsplatz suche, müssen die Rahmenbedingungen zu mir passen.

Gute Mädchen kommen in den Himmel und selbstbewusste signalisieren, dass das Interesse an der eigenen Person groß ist und bitten um die notwendige Bedenkzeit, um sich richtig entscheiden zu können. Kein Problem, Authentizität zählt. Die eingeräumte Bedenkzeit ist notwendig, weil die Kündigung ja nicht vor dem ersten Arbeitstag erfolgen soll.

Ist es böse, sich selbst in den Mittelpunkt der Entscheidung zu stellen? Wir denken nicht! Eine getroffene Entscheidung soll Bestand haben, gerade, wenn sie einige Zeit überdauern soll. Das Nein oder Ja  soll fundiert und entsprechend der Situation für das eigene Leben passend sein. Das Ziel und der Weg sind souveräne Prozesse, an deren Ende ein selbstbewusster, selbstbestimmter Mensch steht. Dankbarkeit ja, für Unterstützung und Begleitung, nicht für Abhängigkeit. Es sind nicht die Daumenschrauben für die anderen in kleinen Schritten, sondern konsequente Schritte zu mehr Selbstbestimmtheit.