Home sweet Home

Home sweet home, normalerweise ist der Spruch verbunden mit Dekorationshinweisen für ein kuscheliges Zuhause und wir fragen uns, ob es auch für das Homeoffice passt.

Laut IT-Branche hat während der Pandemie jede(r) zweite Berufstätige im Homeoffice gearbeitet. Das war mit ein Ausgangspunkt für Bundesminister Hubertus Heil sein Ministerium mit einer Gesetzesinitiative zu einem „Mobile Arbeit Gesetz“ zu beauftragen. Im nun vorgestellten Entwurf steht, dass vollzeitbeschäftigte Arbeitnehmende ihre tägliche Arbeit an 24 Tagen im Jahr im Homeoffice verrichten können, nicht müssen oder sollen, aber mit Rechtsanspruch und zwar überall dort, wo es möglich ist. Das schließt von Vornherein schon einen Großteil der Arbeitskräfte aus. In Pflege und Versorgung, im Verkauf oder in der Produktion ist das kaum möglich. Und es regt sich der Widerstand, nicht wegen der Branchen, sondern generell. Denn Arbeitgeber müssen zwingende betriebliche Gründe darlegen, um den Anspruch ablehnen zu können. Minister Heil will einen Ordnungsrahmen schaffen, in dem Unternehmen, Gewerkschaften, Betriebs- und Personalräte ausloten, was jeweils machbar ist. Die einen beschwören, dass Homeoffice ein Jobkiller ist. Grund: Die technische Ausstattung bei Klein- und mittleren Unternehmen überfordert diese. Die anderen, zu denen der Bundesverband der Personalmanager (BPM) gehört, forderten bereits in ihrem Konzeptpapier 2018 die Auseinandersetzung mit flexiblen Arbeitszeitmodellen. Grund: die Bedürfnisse der Beschäftigten sollen besser berücksichtigt werden, auch, weil von diesen eine immer größere Flexibilität gefordert wird. 

Der offene Dialog zwischen Unternehmen und Politik ist damit jetzt wohl endgültig angestoßen. Es gilt etwa, Homeoffice-Ansätze, Jobsharing-Angebote und Sabbaticals für möglichst viele Mitarbeiter anzubieten – auch in kleineren Unternehmen. Für Datensicherheit und Arbeitsschutz im Homeoffice fordert der BPM klare rechtliche Vorgaben, praxisorientiert und praktikabel. In dem Zusammenhang soll auch die Umstellung von der täglichen zur wöchentlichen Arbeitszeit diskutiert werden. 

Was ist denn nun Homeoffice? Eine Definition lautet: „Homeoffice, auch Telearbeit genannt, ist eine flexible Arbeitsform, bei der die Beschäftigten ihre Arbeit vollumfänglich oder teilweise aus dem privaten Umfeld heraus ausführen.“ Es gibt also nicht eine Form schlechthin. 

Auch die Vor- und Nachteile sind weitgehend beschrieben und andiskutiert. Erhöhter Organisationsbedarf, das Abhandenkommen des Teamgeistes, fehlende Arbeitszeitkontrollen und die hohen Anforderungen an Datensicherheit und IT-Infrastruktur stehen einer Kostenreduktion, erhöhter Produktivität, den positiven Effekten bei der Vereinbarkeit von Beruf und Familie, der zunehmenden Vertrauenskultur im Unternehmen und den positiven Wirkungen auf die Arbeitgebermarke gegenüber. Die bisher geltenden arbeitszeitrechtlichen Regelungen werden davon nicht berührt.  

Viel Disziplin verlangt das Homeoffice auch den Beschäftigten ab. Die richtige Kommunikation, das Einrichten des Homearbeitsplatzes, die Organisation der täglichen Aufgaben, die Einhaltung von Pausen und der Ablenkungsfaktor zu Hause in den eigenen vier Wänden müssen bedacht werden.  

Dann ist letztendlich noch zu fragen, an welche Klientel sich das neue Gesetz wenden soll. Minister Heil spricht von den vollbeschäftigten Mitarbeitenden. Laut Statista arbeiteten 2019 bei den Frauen mit Kindern 33,8 % und bei den Männern 93,6 % in Vollzeit und die anderen in Teilzeit. Ein Gesetz für Männer, weil diese in Zukunft mehr Care-Aufgaben übernehmen werden? Keine Frage: Für und Wider müssen diskutiert werden, damit niemand auf der Strecke bleibt und das Zuhause sweet home bleibt!