Lob ist eine Zier und es geht auch ohne ihr

Wann haben Sie das letzte Mal Ihre Lieben/Ihre Kollegen für eine Tat oder Geste gelobt? Wenn Sie sich noch gut daran erinnern können, brauchen Sie gar nicht weiterlesen. Sie wissen um das gute Gefühl, das ein ernst gemeintes und respektvolles Lob hinterlässt, nicht nur beim Empfänger, sondern auch beim Lobenden.

Warum fällt es nicht immer gleich leicht zu loben? Nun, manchmal verschlägt es uns buchstäblich die Sprache, wir finden nicht die richtigen Worte und bis wir uns wieder eingekriegt haben, ist der Zeitpunkt schon vorbei. In anderen Fällen fällt es schon deshalb schwer, weil mir mein Gegenüber nicht sympathisch ist oder ich denke, er könnte es als Schmeichelei auffassen. Und dann gibt es noch die Fälle, in denen ich neidisch bin und mir das Lob deshalb nicht leicht von den Lippen kommt.

Die Annahme eines Lobs fällt auch nicht immer leicht. Misstrauisch lauschen wir dem Klang der Stimme und versuchen herauszuhören, ob sie das verkündet, was unser Gegenüber auch meint. Was als Kompliment gedacht war, kann uns verletzen, wenn es für uns selbstverständlich erscheint und wir die Ironie gerade tropfen hören, kaum ist es ausgesprochen. Soll ich vorgeführt werden, soll suggeriert werden, dass es gar nicht so ist wie es scheint? Liegt eine Absicht hinter der Schmeichelei? Gerade die Viellober stehen da sicher in der Kritik und inflationär verteilte Komplimente/Lobe haben einen Beigeschmack. Soll ich genötigt werden, mein eigenes Verhalten umzustellen, weil ich gelobt werde? Und dann gibt es noch diejenigen unter uns, die es schlecht aushalten gelobt zu werden. Nein bitte, ich möchte nicht im Mittelpunkt stehen, das ist doch nicht nötig, habe ich gerne gemacht, macht doch bitte nicht so einen Aufwand.

Unbestritten wirkt sich ein ernstgemeintes Lob auf unser Wohlbefinden aus. Dabei werden Endorphine als Belohnungsstoffe ausgestoßen. Die Wirkung gibt uns einen Schub, weil wir durch das gute Gefühl mehr davon wollen, wir uns mehr anstrengen. Zu viel wirkt sich dagegen wieder negativ aus. Wir kennen alle die Menschen, die für jeden Handschlag gelobt werden müssen, die nervig auf ihrem scheinbaren Lobrecht bestehen.

Selbstverständlichkeiten müssen nicht gelobt werden. Im Umgang mit unseren Kindern müssen wir oft auch das richtige Maß finden. Nicht alles muss euphorisch kommentiert und gelobt zur Schau gestellt werden. Warum fällt uns der Umgang mit dem Loben schwer?

Ehrlich und respektvoll zum richtigen Zeitpunkt gelobt, fällt jedes Lob auf fruchtbaren Boden. Es ist dann authentisch und spontan, wirkt nicht eingeübt. Ein Lob sollte mit einer persönlichen Botschaft verbunden werden und keine Klischees bedienen. Es kommt aus dem Bauch heraus und vermeidet Mehrdeutigkeiten, die falsch interpretiert, das Gegenteil bewirken können. Wenn die Wörter schwer fallen, dann sind es manchmal die kleinen Gesten, die den Platz dafür einnehmen können. Ein mitgebrachter Kaffee, ein Schokoriegel können diese ersetzen.

Und für diejenigen, die sich dann immer noch schwertun, gilt der Satz:

Nicht geschimpft, ist gelobt genug, damit könnte man sich aus der Situation schleichen.

Die anderen probieren es vielleicht unter dem Motto:

Eine Reise von tausend Schritten beginnt mit dem ersten. (Laotse)