Vom Verleihen und Verschenken

Ein Querschnittsthema unseres Projektes ist die Nachhaltigkeit. Aus diesem Grund überlegen wir vor einem Kauf immer genau, ob und was und wie gekauft werden soll oder anders beschafft werden kann. Auch bei uns gewinnt an Bedeutung, ob wir uns Dinge nicht bei den Kollegen ausleihen können, um Geld, Zeit und andere Ressourcen zu sparen. Zu viel Besitz und damit Platzbedarf für notwendigen Stauraum, zu wenig Verwendung, bringt es wohl auf den Punkt. Keiner muss das Rad neu erfinden, wenn es schon erfunden ist.

Eigentum zu teilen erfordert ein Umdenken, sich mit nachhaltigen Alternativen auseinandersetzen und bereit sein, loszulassen und andere Wege zu gehen. Tauschpartys, Flohmärkte, Bibliotheken sind einige Formen, auf denen jederfrau und jedermann ihr und sein Glück versuchen kann. Autosharing, Foodsharing, in diesen Bereichen tummeln sich auch größere Anbieter und machen das Prinzip zum erfolgreichen Geschäftsmodell. Manchmal regt sich auch der Unmut, wie z.B. beim Airbnb, wenn sich Nachbarn durch wechselnde Gäste im Haus gestört fühlen.

Damit Verleihen, Verschenken und/ oder Tauschen für alle Seiten zufriedenstellend verläuft und nicht nur der Freundes- oder Bekanntenkreis beglückt wird, gibt es Foren, in den die Anbieter sich präsentieren und die Nachfragenden stöbern, suchen und finden können. Dabei sind der Fantasie für Angebote keine Grenzen gesetzt.

Ob Kirchengemeinde, Gemeinde oder Stadt, Verschenkbörsen, Foodsharing, damit Lebensmittel nicht vernichtet werden müssen, es gibt für jeden Bereich eine Plattform und jemanden, der das Prinzip forciert. Man muss sie nur finden. So hat Erlangen z.B. eine eigene Seite Fairlangen, die auffordert, mitzumachen, schließlich mäht man nicht jeden Tag seinen Rasen und könnte den Rasenmäher auch einmal ausleihen.

Neben dem Fahrzeug- und Lebensmittel-Bereich kennt man das Sharing-Prinzip bei Kleidung. Hier leben wir unser Konsumverhalten am deutlichsten. Untersuchungen zeigen auf, dass unsere Kleiderschränke zu viele Teile beherbergen, von denen wir nur einen Bruchteil tragen, für ein Event kaufen und dann in den Schrank hängen und vergessen.

Ausleihen statt besitzen ist ein neuer Trend. Skeptiker brauchen eine Plattform, sich ausprobieren, um Erfahrungen zu machen und dann teilen zu können. Anderseits gibt es mittlerweile viele unterschiedliche Angebote und Anbieter und die Frage ist berechtigt, ob das größer werdende Sharing- Angebot noch nachhaltig ist.

Maike Gossen vom Institut für ökologische Wirtschaftsforschung hat das mit ihren Kollegen untersucht und kommt zum Ergebnis, dass alles davon abhängt, wie die Angebote genutzt werden. Wird das gesparte Geld an anderer Stelle für zusätzlichen Konsum ausgegeben, dann wird die Umwelt nicht nachhaltig positiv beeinflusst. Anders sieht es z. B. bei klassischen Mitfahrgelegenheiten oder Fahrgemeinschaften aus.

Vor der nachhaltigen Nutzung stehen eine umweltfreundliche Produktion und die Langlebigkeit eines zu teilenden Produktes. Ja, und für die Teilenden bedeutet das, Komfortzonen zu verlassen, das Sharing- Prinzip in den eigenen Lebensstil zu integrieren und viel zu nutzen.

Vor dem Wegwerfen steht die Beantwortung der Frage, ob es ein neues Zuhause für das Ding gibt.

Vielleicht ändert sich auch der Blick auf die Wertigkeit von Dingen, die geteilt werden können und das wäre doch auch schon einmal ein guter Anfang.