Was macht Corona mit der Gleichstellung?

Frauen stehen unter Druck. Mit Schließung der Kindergärten, Schulen und dem Herunterfahren von Freizeitaktivitäten für Kinder und Jugendliche sind Familien und in diesen insbesondere die Frauen und Mütter stark gefordert. Täglich ein abwechslungsreiches Betreuungsprogramm auf die Beine stellen, das Spaß, Bewegung und Zufriedenheit beim eigenen Nachwuchs weckt und dem eigenen Anspruch gerecht wird, die jüngsten Familienmitglieder nicht über die Gebühren vor dem Fernseher oder Spielkonsolen zu parken, sondern zu fördern durch Vorlesen, Bastelarbeiten und ähnlichem, um die Feinmotorik und alle Sinne anzuregen, ist fordernd und anstrengend. Zusätzlich belastet auch die Ausnahmesituation in der Pflege von Angehörigen.

Was ist bisher aus den Zielen des Gleichstellungsjahrs 2020 geworden? Wir erinnern uns, da hieß es:  Die Anpassung des Gehaltsniveaus von so genannten Frauenberufen steht im Fokus, die Arbeitszeitproblematik, die mehr Frauen durch ihre Rolle in der Kinderbetreuung ungleich stärker trifft als Männer, das auch dadurch entstehende Rentenrisiko bei Frauen und die damit einhergehende Altersarmut, aber auch die Vertretung der Frauen bei den High Potentials in Politik und Wirtschaft werden thematisiert. 

Das Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut (WSI) der Hans Böckler Stiftung stellt in seinem Policy Brief Nr. 40 fest, dass die Corona- Krise doppelt trifft. Wundert uns das? In einer Befragung im Zeitraum zwischen 03. Bis 14.April wurden Erwerbstätige in einer genau festgelegten, also nicht zufälligen Stichprobe befragt. Die Ergebnisse lauten dabei wie folgt.

Frauen arbeiten ungefähr genauso häufig in Kurzarbeit wie Männer, sind jedoch häufiger von der Arbeit freigestellt. Eine Aufstockung ihres Kurzarbeitergeldes durch den Arbeitgeber erfolgt seltener. Knapp die Hälfte der Frauen (49%) glaubt, dass das Geld maximal drei Monate ausreicht, bei den Männern sind es knapp 41 Prozent, die ihre Situation so beurteilen. Im Homeoffice dürfen 22 Prozent der Frauen, aber nur 10 Prozent der Männer nicht arbeiten, obschon das möglich wäre. Der Gesamtanteil der im Homeoffice arbeitenden ist bei Frauen und Männern gleich, doch 21 Prozent der Männer, aber nur 13 Prozent der Frauen arbeiten abwechselnd im Homeoffice und im Betrieb.

Die Situation ist für alle Menschen belastend. Befragte ohne Kinder bis zum 14. Lebensalter geben das mit 39 Prozent an, während dieser Anteil bei Eltern in Paarbeziehungen bei 48 Prozent und bei Alleinerziehenden sogar bei 52 Prozent liegt. Auch wenn eine veränderte Aufteilung der Betreuungszeiten durch die Möglichkeiten des Homeoffice möglich wären, zeigt die Studie auf, dass 54 Prozent der befragten Frauen, aber nur 12 Prozent der Männer den überwiegenden Teil der anfallenden Kinderbetreuung übernehmen. Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel. Corona führte hier zu einer Umkehrung der Verteilung der Betreuungszeit für Kinder und Sorgearbeit. Paaren mit finanziell stärker belastenden Situationen bleiben weniger Spielräume für eine faire Arbeitsteilung. Das heißt, die klassische Rollenverteilung, die sich in der Regel nach der Geburt eines Kindes durch die Reduzierung der Arbeitszeit der Frau, in die Familien zurückschleicht, wird durch die Corona-Krise weiter verstärkt.  Gut ein Viertel aller befragten Frauen mit Kindern bis zu 14 Jahren, aber nur ein Sechstel der befragten Männer mussten ihre Arbeitszeit wegen der Betreuungssituation reduzieren. Ob eine Aufstockung dieser reduzierten Arbeitszeit nach der Krise wieder möglich sein wird, ist noch ungewiss. Weniger Arbeitszeit bedeutet auch weniger Einkommen. Die Schere zwischen Haushalten mit geringem oder höherem Einkommen nimmt zu, wenn Haushalte mit geringerem Einkommen wegen fehlender Betreuungszeiten der Kinder ihre Arbeitszeiten reduzieren müssen.

Verlieren wir die bisherigen Errungenschaften nicht aus dem Blick. Es bleibt zu hoffen, dass der Rückschritt nur vorübergehend ist und Anreiz bietet, alles perspektivisch neu zu denken, i der Familie und der Politik.